Wolle färben mit Kool Aid

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Ich glaube, es ist eine gute Idee, den neuen fashionworks-Blog mit einem gelungenen Experiment zu beginnen.

 

Ich hatte im Internet immer wieder über das Färben von Wolle mit Kool Aid gelesen - angeblich eine tolle Methode, sich mit dem Thema "Färben" zu beschäftigen ohne sich gleich eine Armada von Töpfen und Werkzeug zulegen zu müssen. Und ich muss sagen: Es stimmt! Das Färben ist ganz einfach, macht nur ein bisschen Sauerei (wenn man sich etwas geschickter anstellt als ich, auch gar keine) und bringt tolle Ergebnisse.

 

Für alle, die es selbst einmal ausprobieren wollen: Hier gibt es die Anleitung noch einmal zum praktischen Download:

 

 

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Wolle färben mit Kool Aid.pdf
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Kool Aid und seine Bezugsquellen

Kool Aid Getränkepulver
Fröhlich bunt - Kool Aid Getränkepulver

Als ich zum ersten Mal den Begriff "Kool Aid" las, musste ich zugegebenermaßen auch erst einmal googlen, worum es sich bei diesem Wundermittel denn wohl handeln könnte. Es entpuppte sich als ein amerikanisches Getränkepulver, wohl zu vergleichen mit der guten alten Ahoi-Brause aus unserer Kindheit. Nur, dass Kool Aid weitaus mehr Geschmacksrichtungen bietet und das Farbspektrum entsprechend größer ist.

 

Es gibt einige Anbieter im Internet, die Kool Aid anbieten. Ganz wichtig: Zum Färben eignet sich nur das ungezuckerte Getränkepulver, sonst verklebt alles zu einer unansehnlichen Masse! Ich selbst wurde bei ebay fündig und konnte mir so 100 bunt gemischte Päckchen sichern. Der Anbieter kam aus Deutschland - wenn man sich einen der vielen Anbieter aus den USA aussucht, sollte man sich vergegenwärtigen, dass zum Kaufpreis und den Versandkosten noch Zollgebühren entstehen können. Meines Wissens sind alle Waren bis 20 Euro zollfrei, aber ab 20 Euro wird die Mehrwertsteuer noch nachberechnet. Es kämen also momentan noch 19% zusätzliche Kosten dazu. Und schon rechnet sich der augenscheinlich günstigere Preis von USA-Anbietern oft nicht mehr wirklich oder ist zumindest ähnlich wie in Deutschland.

 

An dieser Stelle nochmal einen herzlichen Dank an meine herzallerliebste Tochter, die die 100 Päckchen Kool Aid für mich fein säuberlich nach Geschmacksrichtungen sortiert und anschließend penibel mit Mengenangaben aufgelistet hat :-)

 

 


Das Grundmaterial

Es gibt verschiedene Methoden, mit Kool Aid zu färben, und ich will zukünftig noch einige davon ausprobieren. Für meinen ersten Versuch habe ich folgende Hilfsmittel verwendet:

 

  • geeignete Wolle, am besten im Strang. Zum Färben mit Kool Aid eignet sich nur Garn aus tierischem Material, also Wolle, Merino, Alpaka usw. Pflanzenfasern wie Baumwolle oder Viskose nehmen die Farbe nicht an. Versucht es gar nicht erst, ich habe es natürlich erst einmal in Frage gestellt und ein wenig Baumwolle und Leinen mit ins Färbebad gelegt - es funktioniert nicht.

  • Einen Plastikeimer oder eine große Plastikschüssel zum Wässern der Wolle

  • Etwas Wollwaschmittel

  • Gefäße für die Farblösung - bei der Größe kommt es darauf an, ob man nur mit einer oder mit mehreren Farben färben möchte. Eigentlich reicht eine kleine Plastikschüssel oder 500 ml-Joghurtgläser

  • Ein Paar Gummi- oder Latexhandschuhe. Dieses Untensil zu vergessen kann schlimme bis spaßige Folgen haben - es dauert Tage, bis die Kool Aid-Farbe wieder von den Fingern verschwunden ist

  • Evtl. etwas Plastikfolie als Unterlage für die Färbegefäße. Erspart Euch meine Erfahrung mit dem Verwenden von Zeitungspapier, es ist im Nullkommanix durchgeweicht und der ganze Farbspaß pladdert lustig über die Fronten der Küchenmöbel auf den Boden.

  • Frischhaltefolie für das Fixieren der Farbe in der Mikrowelle

 

In einigen Anleitungen im Internet wird immer wieder gern Essig zum Einweichen und als Ergänzung für die Farblösung verwendet. Ich habe mich schlau gemacht und auch mein Test hat mir bestätigt: Kool Aid enthält bereits genügend Säure, es ist also definitiv kein Essig nötig, um ein tolles Farbergebnis zu erzielen! Ganz davon abgesehen, dass man sich ein gewöhnungsbedürftiges Duftgemisch aus Getränkepulver und Essigbeize ersparen kann.

 

 


Und los geht's!

Das Garn

DROPS Lace
Feines Lacegarn von DROPS

Ich startete mit einem wunderbaren Lacegarn in natur von DROPS Design. Es besteht aus Baby-Alpaka und Seide, beides also tierischen Ursprungs und somit für das Färben mit Kool Aid gut geeignet. Zudem ist es im Gegensatz zu manch anderen Lacegarnen trotz der guten Qualität recht günstig. Ein Fehlversuch würde sich also nicht so dramatisch auswirken. Aber auch andere Anbieter haben ungefärbtes Lace- oder Sockengarn im Angebot. Ob sich bereits gefärbte Wolle noch einmal überfärben lässt, weiß ich bislang noch nicht, es würde mich aber interessieren. Wer da also schon Erfahrungen gemacht hat: Immer her damit!

 

Wer die Wolle nicht im Strang vorrätig hat, muss aus seinen Knäueln wohl oder übel erst einen Strang machen - Besitzer einer Haspel können das sehr gut mit dieser erledigen, alle anderen können das Garn um ein großes Schneidbrett oder um die Füße ihres Küchenstuhls wickeln.

 

 

Fixierung

Fixiertes Lacegarn
Zusätzliche Fixierung

Es ist hilfreich, wenn man den Garnstrang noch an ein paar weiteren Stellen fixiert und ganz locker abbindet. Ganz locker deshalb, weil sich bei zu festen Knoten später ein ungefärbter Streifen bilden würde. Wer das natürlich als Effekt haben möchte, kann natürlich auch ein paar Stellen fest umwickeln. Ich habe es in diesem Fall locker fixiert.

 

Durch das zusätzliche Fixieren wird vermieden, dass sich der Strang beim Einweichen und späteren Färben verheddert und man keine Chance mehr hat, die Farbe gezielt aufzutragen und vor allem später ein schönes Knäuel daraus zu wickeln.

 

 

Einweichen

Einweichen
Ein Waschmittel ist nicht unbedingt nötig

Ist das Garn schön fixiert, wird ein Eimer oder eine große Schüssel mit lauwarmem Wasser gefüllt - ich habe an dieser Stelle schon einmal ein wenig Wollwaschmittel hinzugefügt, weil ich es in mehreren Anleitungen so gelesen hatte. Ein mittlerweile zweiter Färbedurchgang hat mir jedoch gezeigt, dass das Waschmittel hier noch nicht nötig ist, es reicht auch das einfache Einweichen in klarem Wasser.

 

Lacegarn einweichen
Einweichen des Garns

Das Garn sollte komplett mit Wasser bedeckt sein. Wenn es sich anfangs noch dagegen wehren sollte und immer wieder an die Oberfläche geschwommen kommt, kann man einen kleinen Teller darauflegen und somit das Ganze unter Wasser halten.

 

Der Strang muss sich komplett mit Wasser vollsaugen. Wer die Zeit hat, kann alles über Nacht in ein stilles Eckchen stellen und den Färbevorgang am nächsten Tag starten. Ich bin dafür einfach viel zu ungeduldig. Ich habe meinem Garn eine Stunde Einweichzeit gegeben, danach habe ich es vorsichtig aus dem Eimer gezogen (schon hier darauf achten, dass sich nichts verheddert!) und das Wasser ganz vorsichtig ausgedrückt. Es reicht vollkommen aus, wenn der Strang nicht mehr tropfnass ist, er braucht nicht nahezu trocken zu sein.

 

 

Farben vorbereiten

Wolle färben mit Kool Aid
Kool Aid - Farbauswahl

Hier also gleich einmal die Dokumentation meines ersten Fehlers - Zeitungspapier eignet sich nicht als Unterlage! Wenn man dazu noch die Farbbehälter zu voll macht (was mein zweiter Fehler war), schwappt alles über, das Zeitungspapier weicht sofort auf und die gesamt Farblösung verteilt sich über dem Boden.

 

Mit einer einzigen Farbe zu starten war mir natürlich nicht anspruchsvoll genug :-)  Also entschied ich mich für drei Farben, in die ich jeweils einen Teil des Wollstrangs legen wollte. Ich habe jeweils zwei Tütchen (je 5g) der Geschmacksrichtungen Peach Mango (gelb), Orange (orange) und Black Cherry (dunkelrot) ausgewählt.

 

Bevor es ans Anrühren der Farbe geht, sollte man spätestens an dieser Stelle die Handschuhe anziehen.

 

 

Farben anrühren

Wolle färben mit Kool Aid
Kool Aid - Die fertigen Farblösungen

Das Pulver wird also jetzt in die Behälter geschüttet - Vorsicht, das Zeug staubt ziemlich rum, man muss es aber nicht unbedingt einatmen. Anschließend füllt man das Ganze dann mit lauwarmem Wasser (kaltes geht auch) auf - und jetzt kommt der springende Punkt: Es spielt keine Rolle, wieviel Wasser man einfüllt, ausschlaggebend für das Farbergebnis ist lediglich die Menge des verwendeten Farbpulvers! Wer also verschiedene Farbabstufungen ein und derselben Farbe haben möchte, muss das Pulver entsprechend dosieren, nicht die Wassermenge.

 

 

Garn einlegen

Wolle färben mit Kool Aid
Das Einlegen des Garnstrangs

So, und dann mal rein mit der Wolle! Ich habe meinen Strang einfach zu je einem Drittel in einen Behälter gelegt und noch ein wenig Wasser nachgefüllt, sodass der Großteil mit Wasser bedeckt war. Anfangs machte ich mir etwas Sorgen wegen der Teile, die oben über den Rand ragen. Aber auch die saugen sich langsam aber sicher mit Farbe voll.

 

Damit die Farbe sich gleichmäßig verteilt, habe ich es in den Gefäßen immer mal wieder ein bisschen geknetet. Keine Ahnung, ob das unbedingt nötig war, aber ich fühlte mich gut dabei. Ich war nicht sicher, wie lange ich das Garn jetzt in der Farblösung liegen lassen sollte, also habe ich einfach mal eine halbe Stunde gewartet.

 

Mittlerweile weiß ich, dass reine Wolle sofort die komplette Farbe aufnimmt. Man erkennt es daran, dass die Farbflüssigkeit im Nu fast glasklar ist - die Farbe ist dann wirklich komplett in die Wollfasern übergegangen. Das war bei meiner Garnmischung nicht der Fall - die Farblösungen blieben bunt, offensichtlich nahm die Materialmischung nicht die gesamte Farbe auf. Daher muss man einfach ausprobieren, ab wann sich das Farbergebnis nicht mehr ändert.

 

 

 

Das gefärbte Garn

Wolle färben mit Kool Aid
Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Das Garn wird nun nacheinander aus den Farbbehältern genommen und vorsichtig ausgedrückt. Anschließend wird der Strang auf einem entsprechend großen Stück Frischhaltefolie ausgebreitet (dieser Schritt ist nötig für das Fixieren in der Mikrowelle). Ich war vom Ergebnis meines ersten Färbeversuchs mächtig beeindruckt: Die Farben leuchteten, die Verläufe an den Farbübergängen waren weich und das Material hatte in keinster Form gelitten. Das ließ mich dann auch gern darüber hinwegsehen, dass es in meiner Küche mittlerweile roch wie auf einem Kindergeburtstag mit tausenden von diesen kleinen Kirschlollies mit dem grünen Stiel - der Geruch des Getränkepulvers ist nicht zu unterschätzen!

 

 

 

Die Fixierung

Wolle färben mit Kool Aid
Fertig zum Fixieren!

So, jetzt wird der fertig gefärbte Strang in die Frischhaltefolie gewickelt - darauf achten, dass sie komplett geschlossen ist. Falls irgendwo Lücken entstehen, lieber noch eine zweite Schicht Folie darumwickeln.

 

Das Wollpaket wird jetzt in der Mikrowelle auf höchster Stufe 2 Minuten erhitzt. Keine Panik, wenn sich die Folie aufbläht, als wolle sie jeden Moment platzen. Sie wird es nicht tun. Eigentlich sollte das jetzt als Fixierung reichen - um ganz sicherzugehen, habe ich nach einer kurzen Ruhezeit von einer Minute noch einmal alles 2 Minuten lang auf höchster Stufe erhitzt. Sicher ist sicher. 

 

 

Trocknung

Wolle färben mit Kool Aid
Nach dem Fixieren trocknen lassen

Fertig! Jetzt kann das Garn aus der Mikrowelle genommen und die Folie entfernt werden. Achtung: Das Ganze ist sehr heiß, also die Folie sehr vorsichtig entfernen und das Garn ein wenig abkühlen lassen.

 

Nachdem man das Anfassen wieder wagen kann, wird der Strang noch einmal in lauwarmem Wasser ausgespült. An dieser Stelle habe ich dann doch ein wenig Wollwaschmittel hinzugefügt, weil ich den Eindruck hatte, dass das Garn noch nach dem Getränkepulver roch. Wieder wird das Wasser vorsichtig ausgedrückt und der Strang zum Trocknen über eine Kleiderbügel oder ähnliches gehängt.

 

 

 

 

 

Das Garn

Wolle färben mit Kool Aid
Das gewickelte Garn

Tja, und so sah das ehemals naturfarbene Lacegarn dann nach dem Wickeln des getrockneten Strangs aus. Ich hätte nie gedacht, dass simples Getränkepulver so kräftige Farben erzeugen kann. Vor allem im Seidenanteil zeigt sich ein ganz toller Glanz, es ist absolut nichts verfilzt oder sonstwie zu Schaden gekommen.

 

Es gibt noch viele andere Methoden, Garn zu färben. Und ich bin jetzt schon mächtig motiviert, auch diese anderen Methoden nach und nach einmal auszuprobieren. Später dann vielleicht auch mal mit "richtigen" Farben. Aber momentan finde ich es einfach praktisch, dass man zum Färben mit Kool Aid das ganz normale Küchenwerkzeug verwenden kann.

 

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Angelika Robertz (Montag, 27 Mai 2013 21:32)

    Super erklärt und bebildert, das werde ich sicher ausprobieren. Ein großes Dankeschön !

  • #2

    Kiki Tomin (Montag, 29 Juli 2013 15:07)

    Wow, das ist toll!! Und super erklärt! Habe zufällig bei einem Ebayhändler den Zusammenhang von "Cool Aid" und "Wolle färben" entdeckt und das gleich gegoogelt...muss ich ganz schnell ausprobieren :-)))
    LG Kiki

  • #3

    Rita Maaßen (Montag, 29 Juli 2013 17:40)

    Ja, es macht wirklich Spaß, Kiki! Bin gespannt, wie Deine Ergebnisse aussehen werden.

  • #4

    Carolina (Mittwoch, 26 Februar 2014 11:55)

    Muss ich sofort ausprobieren, das ist ja toll!

    Geht die Farbe beim Waschen raus oder hat sie sich gehalten?!

  • #5

    Rita Maaßen (Freitag, 28 Februar 2014)

    Nein, Carolin - wenn Du nach dem Färben ordentlich fixierst, geht die Farbe nie mehr raus. Für den Anfang ist diese Methode toll, man braucht keine besonderen Utensilien und muss nicht gleich teure Farben kaufen.

  • #6

    Nana (Montag, 02 Februar 2015 20:34)

    Ich hab da ja meine Bedenken zwecks Frischhaltefolie, Mikrowelle und der Dauer des Erhitzens.
    Schmilzt die Folie nicht ?

  • #7

    Rita Maaßen (Montag, 02 Februar 2015 22:33)

    Nein, Nana, da schmilzt nichts. Ich habe die Methode in der Zwischenzeit mehrfach angewendet und es ist immer alles gutgegangen.

  • #8

    Nadine (Montag, 02 März 2015)

    Hallo :)

    Ich wollte fragen , wie sich diese Färbemethode am Ende in der Farbechtheit abschneidet.

    Bleicht die Farbe in der Wolle schnell aus oder ist sie so wirklich haltbar?

    Liebe Grüße,
    Nadine

  • #9

    Rita Maaßen (Dienstag, 03 März 2015 09:11)

    Also, bis jetzt ist bei meinen Tüchern noch nichts ausgebleicht. Jetzt wasche ich die zwar nicht täglich, aber 3 - 4 Wäschen haben alle Tücher unbeschadet überstanden. Und das in der Waschmaschine, mit normalem Feinwaschmittel. Ich denke, die Fixierung bringt's einfach.