Einschneidende Erlebnisse

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Jede passionierte Strickerin wird wohl irgendwann einmal über diesen Namen gestolpert sein: Christel Seyfarth. Die dänische Strickdesignerin fasziniert mich schon länger immer wieder durch ihre Umsetzung der traditionellen Faire Isle-Technik in moderne, farbenfrohe Strickmodelle. Schon lange habe ich mich für das Stricken mit mehreren Farben interessiert - was mich allerdings noch viel mehr beeindruckt hat, war die Tatsache, dass Christel Seyfarth grundsätzlich in Runden strickt und das Modell anschließend tatsächlich auseinanderschneidet! Richtig gehört: Sie nimmt eine Schere und schneidet das zu Runden gestrickt Teil einfach in der Mitte durch.

 

Nie im Leben hätte ich das freiwillig an einem meiner eigenen Modelle ausprobiert. Somit hätte ich mich wohl weiterhin immer gefragt, ob diese Technik wirklich ohne Schäden durchgeführt werden kann - wenn ich nicht zufällig auf einen Workshop von Wolle und Design in Stadtlohn gestolpert wäre. Das Angebot:  An einem Wochenende die Seyfarth-Stricktechniken inklusive Zerschneiden des Strickstücks lernen und wagen. Also habe ich mich gleich angemeldet, musste leider viele Monate auf einen Platz warten (die Workshops sind gefragt und schnell ausgebucht)  und konnte dann endlich am vergangenen Wochenende teilnehmen.

 

Das Spiel beginnt

Wolle und Design
Alles, was das Herz begehrt

Im Mittelpunkt standen diesmal die Tücher von Christel Seyfarth. Schon bei der Ankunft in Maria Weddewers Laden stand fest: Hier würde ich definitiv leicht verarmt aber glücklich wieder rausgehen. Denn neben den Komplett-Strickpackungen von Christel Seyfarth gibt es dort noch jede Menge andere, wunderschöne und hochwertige Wolle in allen erdenklichen Farben und Qualitäten. Da ich ja ein extrem kratzempfindlicher Mensch bin, war ich zu Beginn des Workshops noch nicht sicher, ob ich die Modelle von Christel Seyfarth überhaupt vertragen würde. Aber ein Blick in die Runde zeigte mir, dass es da nicht nur einen "Plan B" für mich geben würde.

Die Stimmung war gut (mit mir zusammen besuchten noch 9 weitere Strickerinnen diesen Workshop) und wir machten uns gleich ans Werk. Auf der Tagesordnung stand zunächst das Stricken nach einer kleinen Mustervorlage - wie schon zuvor erwähnt in Runden (ich erkannte schnell den Vorteil dieser Methode: Man erspart sich das "Muster-Raten" in den links gestrickten Rückreihen). Nun habe ich ja schon einige Teile mit mehreren Farben gestrickt - was ich bislang allerdings nie wirklich versucht hatte, war das Einweben der einzelnen Fäden in das Strickstück. Hier konnte ich es üben - was zur Folge hatte, dass ich mir anfangs wieder vorkam wie ein Strickanfänger.  Aber gottseidank ging es nicht nur mir so.

 

Das Geheimnis der Steeks

Wie aber kommt man dann dazu, das in Runden gestrickte Tuch zum Schluss einfach gnadenlos zu zerschneiden? Das Geheimnis sind so genannte Steeks: Bevor man zur Runde schließt, schlägt man einige Maschen zusätzlich an und strickt diese in allen Runden zweifarbig "versetzt". Also immer abwechselnd eine Masche in Farbe 1 und eine Masche in Farbe 2, in der nächsten Runde dann umgekehrt. Im Laufe der Runden verzwirnt sich das Garn dann immer mehr, sodass man es später gefahrlos zerschneiden könnte - dennoch wird für alle Fälle vor dem Zerschneiden im Normalfall noch mit einer Naht gesichert.

Ein Steek wird zerschnitten
Die Schere kommt zum Einsatz

Ich habe es also einfach getan: Mit einer richtig scharfen Schneiderschere habe ich das zuvor mühsam erstellte Strickstück unbarmherzig zerschnitten. Und es funktionierte tatsächlich! Selbst das Zupfen an den Rändern hatte keinerlei negative Auswirkung auf die zerschnittenen Ränder - es hält.

 

Natürlich bleiben die Ränder bei Christel Seyfarth dann nicht einfach so zerschnitten im Strickstück. An jeder erdenklichen Stelle werden noch Blenden in verschiedenen Farben oder Mustern angestrickt. Das fertige Modell ist auf jeden Fall ein extrem hochwertiges Schmuckstück.

 

Fazit: Nichts für mich

So sehr mich die Christel Seyfarth-Modelle auch faszinieren: Für mich sind sie leider nicht geeignet. Denn schon beim Verstricken des Garns merkte ich schnell, dass meine Haut viel zu empfindlich ist für die verwendete Lammwolle. Und das ist dann auch ein Punkt, der mir überhaupt nicht gefällt: Man kann die Anleitungen für die Tücher, Mäntel oder Mützen nur bekommen, wenn man eine komplette Strickpackung kauft. Zwar gibt es von den meisten Modellen verschiedene Farbvarianten, aber komplett individuell zusammenstellen kann man sich Garn und Farben nicht. Wer so wie ich lieber ein weicheres Merinogarn verwenden möchte, hat zurzeit keine Möglichkeit, an die Anleitungen zu kommen. Zwar gibt es mittlerweile auch ein Buch mit einigen Modellen (momentan nur auf dänisch und englisch), aber die Modelle darin haben mich nicht so richtig überzeugen können. Ich persönlich fände es schön, wenn hier der eigenen Kreativität nicht so extrem Einhalt geboten würde.

Workshop bei Wolle und Design
Höchste Konzentration

Hat sich der Workshop dann für mich eigentlich gelohnt? Klare Antwort: Auf jeden Fall! Zum einen wurden die Techniken ausführlich erklärt und selbst bei der tausendsten Frage derselben Gattung standen Maria und Renate von Wolle und Design gelassen mit Rat und Tat zur Seite. Und zum anderen war die Atmosphäre im Laden und unter den Teilnehmern einfach toll. Wir hatten viel Spaß, konnten uns gegenseitig Stricktipps geben und auch das eine oder andere persönliche Gespräch hatte seinen Platz. Ganz zu schweigen von den herrlichen Büffetplatten mit italienischen Köstlichkeiten und dem leckeren, selbstgebackenen Kuchen :-)

 

Alles in allem steht für mich fest: Die Fair Isle-Technik werde ich mit anderen Garnen selbst weiterüben. Und ich werde definitiv noch einmal an einem Workshop teilnehmen - denn auch als Profistrickerin hat man nie ausgelernt.

 

 Bis bald!

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Kommentare: 2
  • #1

    Schurrmurr (Freitag, 29 Januar 2016 10:49)

    Danke für diesen Bericht, habe erst jetzt von der Steek Technik gehört.
    Suche eine Möglichkeit ein Strickteil enger zu machen, hat sich nach der Wäsche geweitet.
    LG schurrmurr

  • #2

    Angi (Freitag, 13 Januar 2017 13:02)

    Habe eine Jacke in Fair isle Technik nach christel seyfarth gestrickt. Aber mit reinerAlpacawolle. Die ist sehr weich und läßt sich beim stricken gut führen.