Stolpersteine und Wegbegleiter

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Manchmal ist es ja so: Da flucht man vor sich hin, weil man sich das schon wieder angetan hat, kann nachts nicht mehr schlafen und möchte am liebsten wieder ganz von vorne anfangen. So ging es mir, als ich die Tücher für mein neues Buch entworfen und gestrickt habe. Eine Idee, die ich noch am Morgen unschlagbar gut fand, hatte am Abend oft ihren Glanz verloren und war innerlich schon zum Scheitern verurteilt. Nur - diese Art von Kirmes im Kopf kann man sich leider nicht leisten, wenn man ein Buch verfassen soll. Aus diversen Filmen mit Schriftstellern in der Hauptrolle weiß man, dass es so genannte Deadlines gibt, die bei eben jenem Schriftsteller Sinnkrisen oder Panikattacken (im schlimmsten Fall beides) hervorruft. Ich tendierte zu Letzterem: 15 große Kuscheltücher innerhalb weniger Wochen, davon vier möglichst noch gestern. Wie sollte das gehen, wenn ich auch noch meinem eigenen Anspruch an Kreativität gerecht werden wollte? Die Lösung: Ich mobilisierte kurzerhand ein paar meiner facebook-Strickfreundinnen und gründete die (geschlossene) Teststrick-Gruppe "Strickreich". Wahrscheinlich die beste Idee, die ich in Zusammenhang mit diesem Buch hatte.

 

Die ersten Vier

Warum mussten die ersten vier Modelle so schnell fertig sein? Ganz klar: Damit sie fotografiert und für die Buchankündigung vorab präsentiert werden konnten. Aber: Wer beim Schreiben einer Anleitung unter Druck steht, baut schnell mal Fehler ein. Das sollte natürlich nicht passieren. Also habe ich jedes Modell nach Fertigstellung in der Teststrickgruppe vorgestellt und um Überprüfung gebeten. Und was soll ich sagen: Die Resonanz war toll, und wirklich alle Teststricker haben sich mächtig ins Zeug gelegt, haben gestrickt, nachgefragt, Fehler gefunden, wieder aufgeribbelt und neu angefangen. Und das alles unter Einsatz ihres eigenen Materials! Ich bin heute noch ganz gerührt von dieser uneigennützigen Strickenergie. Alle, wirklich alle Tücher sind noch vor Erscheinen des Buches testgestrickt worden. Und es sind wirklich tolle Variationen dabei herausgekommen. Andere Farben, anderes Material: Die Kombinationsmöglichkeiten sind ja wirklich riesig. Und so soll es ja auch sein.


Mysteriöse Helferlein

Es lief also wirklich richtig gut mit meinen engagierten Teststrickern. Was mich dann wagemutig machte und mich einen Vorschlag eines Gruppenmitglieds aufgreifen ließ: Warum nicht einfach das eine oder andere Modell komplett in andere Hände geben? Also einfach die blanke, ungeprüfte, theoretische Anleitung an einen Teststricker weiterleiten, ohne das Modell vorher selbst gestrickt zu haben? Ein wenig mulmig war mir schon zumute, aber andererseits eröffnete mir diese Option die Möglichkeit, noch ein paar anspruchsvollere Designs in Angriff zu nehmen, weil der Zeitfaktor keine ganz so große Rolle mehr spielte. So entstand die Idee zu unseren "Mystery"-Projekten. Hierbei gab es das Material natürlich von mir. Meine Strickkolleginnen Andrea, Tina, Birgitt und Katharina erklärten sich zu diesem Experiment bereit - und haben mit Bravour bestanden. Seht selbst, was dabei herausgekommen ist:

Natürlich durften die Mystery-Strickerinnen ihre Tücher behalten - nur für die Fotos mussten sie noch einmal abgegeben werden. Mittlerweile sind aber alle wohlbehalten bei ihren rechtmäßigen Besitzerinnen angekommen.


Das wären also schon mal acht von fünfzehn Tüchern. Falls Euch diese acht gefallen und Ihr neugierig auf den Rest geworden seid: Hier gibt es eine Übersicht über alle Designs.


Lohnender Einsatz

Ich kann also nicht behaupten, dass ich dieses Buch ohne Hilfe verfasst hätte. Aber das will ich ja auch gar nicht. Ich bin stolz auf unsere kleine Gruppe, auf meine Wegbegleiter und Freundinnen, die ich ohne dieses Projekt so gut wohl gar nicht kennengelernt hätte. Und der ganze Einsatz, der Schweiß, die Flüche und die flatternden Nerven haben sich letztendlich gelohnt: Schon vor Veröffentlichung ging das Buch in die dritte Auflage. Bummm. So hatte ich mir das gewünscht, aber nicht vorgestellt. Seit einer Woche ist das Buch "Wohlfühltücher" jetzt im Buchhandel. Und von mir aus kann es natürlich in diesem Tempo weitergehen.


Meine Teststrickgruppe gibt es auch jetzt noch. Sie ist gewachsen und die Energie hat nicht abgenommen. Momentan werden wieder viele Modelle testgestrickt, die ich selbst veröffentliche. Aber auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich ein interessantes Gespräch mit der Verlagsleitung - da geht noch was, auch in der Zukunft wird es noch ein paar spannende,neue Projekte geben. Und ich freue mich sehr auf die Zeit des Teststrickens. Danke, Mädels - Ihr seid klasse!


Bis dann!

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Kommentare: 1
  • #1

    Inge Schneider (Mittwoch, 21 Oktober 2015 13:37)

    Ich glaube, nachdem was ich gesehen habe, ist es ein tolles Buch. Ich werde es auf jeden Fall kaufen. Vielen Dank für dieses Werk!