Verstärkte Knopflöcher stricken

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Da ist es auch schon - das neue Jahr. Und somit auch der erste Blogbeitrag für 2016. Diesmal möchte ich mich mit einem leidigen Thema beschäftigen, das sicherlich schon jedem Strickbegeisterten schon einmal über den Weg gelaufen ist: Das Stricken von Knopflöchern. Besser gesagt: Wie ich Knopflöcher stricken kann, ohne dass sie ausleiern und früher oder später jeden Knopf auch ohne Aufforderung meinerseits wieder freigeben.

 

Der Normalfall


Ich weiß ja nicht, wie es Euch ergangen ist, aber als man mir das Stricken beibrachte (und auch später, als ich verschiedene Anleitungen in Bücher gelesen habe), gab es für das Stricken von Knopflöchern nur zwei Methoden: Entweder man strickte einfach ein Loch durch einen Umschlag und zwei zusammengestrickte Maschen (Foto links) oder man kettete in einer Reihe die gewünschte Anzahl von Maschen ab und schlug sie in der darauffolgenden Reihe wieder an (Foto rechts). Auf den Fotos recht gut zu erkennen: Nach mehrmaligem Auf- und Zuknöpfen leiern die Knopflöcher irgendwann aus. Dadurch rutschen die Knöpfe zum einen unfreiwillig wieder heraus und bei einer offen getragenen Jacke sieht es zudem auch nicht besonders schön aus.

 

Wie ich es mache

Schon allein berufsmäßig blättere ich ja viel in Büchern mit Strickmustern. Eines meiner Lieblingsbücher ist unter anderem aus das "A second treasury of knitting patterns" von Barbara G. Walker. Und eines Tages entdeckte ich in diesem Buch mit Erstauflage von 1970 darin die Anleitung für ein "Self-Reinforcing One-Row Buttonhole", zu deutsch "selbst verstärkendes, einreihiges Knopfloch". Insbesondere das Wort "verstärkt" veranlasste mich, die Technik sofort auszuprobieren. Und ich bin bis heute dabei geblieben. Durch das "Umwickeln" von Maschen werden die Seiten der Knopflöcher verstärkt und leiern nicht mehr aus. Die folgende Fotostrecke zeigt, wie es gemacht wird. Und wer mag, kann sich am Ende auch das Video zu dieser Technik ansehen (alle Fotos sind übrigens durch Klick vergrößerbar).

 

Schritt 1

Zunächst strickt man bis zu der Stelle, an der das Knopfloch beginnen soll. In meinem Fall soll es 5 Maschen vom Rand entfernt platziert werden und über 3 Maschen gearbeitet werden.

Schritt 2


Nun legt man den Arbeitsfaden vor die Arbeit (1. Foto), hebt die nächste Masche wie zum Rechtsstricken ab (2. Foto) und bringt dann den Faden wieder hinter die Arbeit (3. Foto).

 

Schritt 3


Der Faden bleibt jetzt einfach achtlos hinter der Arbeit liegen und wird für diesen Schritt nicht verwendet. Man hebt die erste Masche wie zum Rechtsstricken ab (1. Foto) und zieht dann die zuvor abgehobene Masche darüber (2. Foto). Das ist die erste Abnahme. Diesen Schritt wiederholt man nun so lange, bis die gewünschte Anzahl von Maschen abgekettet ist, in meinem Fall also 3 Maschen (3. Foto).

 

Schritt 4

Die zuletzt abgekette Masche wird nun zurück auf die linke Nadel gehoben und die Arbeit wird gewendet. Es wird also in der Rückreihe weitergearbeitet.

 

Schritt 5


Jetzt kommt der Arbeitsfaden wieder ins Spiel (der bislang ja unbenutzt so rumlag). Dieser Faden wird zunächst hinter die Arbeit gelegt (in diesem Fall also auf die Vorderseite), dann werden die abgeketteten Maschen mit der cable-cast-on-Methode wieder neu angeschlagen: Die rechte Nadel zwischen die beiden ersten Maschen auf der linken Nadel stechen (1. Foto) und mit dem Arbeitsfaden eine Schlinge holen (2. Foto). Diese Schlinge als neue Masche dann auf die linke Nadel heben - entweder von hinten nach vorn oder von vorn nach hinten, das ist reine Geschmacksache (3. Foto)

 

Schritt 6


Nachdem ich die Anzahl an Maschen wieder neu angeschlagen habe, die ich zuvor abgekettet hatte (in meinem Fall also 3 Maschen), schlage ich noch EINE zusätzliche Masche an (1. Foto). Bevor ich diese zusätzliche Masche auf die linke Nadel hebe, hole ich den Arbeitsfaden wieder nach vorne (2. Foto). Dann hebe ich die zusätzliche Masche auf die linke Nadel und ziehe sie etwas stramm.

 

Schritt 7


Jetzt wird die Arbeit wieder gewendet, wir schauen also wieder auf die Vorderseite der Arbeit. Jetzt wird die erste Masche auf der linken Nadel wie zum Rechtsstricken abgehoben (1. Foto) und die zuvor zusätzlich angeschlagene Masche darübergezogen - somit sind wir diese Masche wieder los (2. Foto). Das war's. Jetzt stricken wir die Reihe ganz normal weiter bis zum Ende (3. Foto).

 

Schritt 8

So, jetzt noch schnell eine Rückreihe stricken, damit man das Knopfloch besser erkennen kann - und fertig. Jetzt können auf diese Weise in gleichmäßigen Abständen weitere Knopflöcher gearbeitet werden, die auch nach mehrmaligem Auf- und Zuknöpfen nicht ausleiern.

 

Das Video

Das waren zu viele Fotos und zu viel geschriebener Text? Dann könnt Ihr Euch alternativ auch das Video anschauen, das ich zu diesem Thema gemacht habe. Hier wird die Technik dann noch einmal mit gesprochenen Worten Schritt für Schritt demonstriert.

 

Ich hoffe, ich konnte Euch von dieser Art des Knopflochstrickens ebenso begeistern wie mich selbst. Ich stricke mittlerweile keine anderen Knopflöcher mehr. Denn erstens leiert seitdem nichts mehr aus und als angenehmer Nebeneffekt sind die Knopflöcher bei offener Jacke nahezu unsichtbar.

 

In diesem Sinne: Fröhliches Stricken!

 

Bis bald

Kommentar schreiben

Kommentare: 13
  • #1

    Stefanie (Mittwoch, 06 Januar 2016 17:25)

    Toll erklärt, vielen Dank für das Video. So werde ich ab sofort die Knopflöcher stricken!

  • #2

    Marlen (Donnerstag, 14 Januar 2016 13:43)

    hallo liebe Rita,
    dies kann ich ja wunderbar für meinen Mantel brauchen

  • #3

    Teresa cieslik (Montag, 25 Januar 2016 18:08)

    Vilen dank Rita! Habe ich immer Probleme! Jetzt nicht mehr!

  • #4

    Claudia (Donnerstag, 19 Januar 2017 13:23)

    Vielen Dank für die perfekte Erklärung. Bei sehr weicher Wolle ist dies die optimale Arbeitsweise für ein stabiles Knopfloch!

    Freundliche Grüße
    Claudia

  • #5

    Andrea (Samstag, 04 März 2017 07:39)

    PERFEKT :-)

  • #6

    Helene (Samstag, 22 April 2017 12:18)

    Das Problem mit den ausgeleierten Knopflöchern hatte ich auch- sah einfach scheußlich aus- bis heute- danke für die tolle Anleitung, die auch im Text gut gemacht ist- endlich vorzeigbar Knopflöcher ☺

  • #7

    walburga (Mittwoch, 17 Mai 2017 18:44)

    toll erklärt BRAVO werde die Knopflöcher nur noch so stricken
    danke

  • #8

    Rita Terhart (Samstag, 19 August 2017 11:23)

    Liebe Rita, erst heute heute habe ich deinen Eintrag zu den verstärkten Knopflöchern gelesen. Schade, schade für mich! Letzte Woche habe ich in die Strickjacke meiner Enkeln mit meiner Nähmaschine Knopflöcher nähen wollen. Dazu habe ich die Blende von außen mit einem festen Band verstärkt, von links ein Seidenpapier untergelegt. Alles nahezu perfekt! Bei drei Knopflöchern ging alles gut, dann versagte die Maschine. Zur Zeit ist sie in Reparatur ...... , !!!!!
    Bei der nächsten Strickjacke werde ich auf jeden Fall so vorgehen, wie du er beschrieben hast!

  • #9

    PeRi (Montag, 04 September 2017 08:27)

    Liebe Rita,
    Vielen lieben Dank für die Anleitung. Du bist ein Schatz und hast meinen Nerv getroffen; wie den von Vielen wahrscheinlich. Ich liebe� dich dafür.
    GlG
    PeTra

  • #10

    Helga L (Dienstag, 19 September 2017 18:11)

    Herzlichen Dank, ich 76 jr., stricke seit gefühlten 100 Jr.. Aber das Knopfloch so zu stricken war mir unbekannt. Ab sofort werde ich es so Stricken. Toll L. G.

  • #11

    Petra (Dienstag, 26 September 2017 11:39)

    Danke für diesen Beitrag�die Art so ein Knopfloch zu stricken ist super.So werde ich es in Zukunft immer stricken.

  • #12

    Lisbeth (Dienstag, 26 September 2017 21:54)

    Das ist ja echt klasse! Ich bin gerade drüber, das Brautjäckchen meiner Tochter zu stricken, werde gleich mal deine Anleitung anwenden. Danke, echt super erklärt!

  • #13

    Marlis (Freitag, 24 November 2017 13:28)

    Vielen Dank für die anschauliche Anleitung! Ein ordentliches Knopfloch!!